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Internationaler Austausch trifft Inklusion – Rollstuhlbasketball über Grenzen hinweg

Vom 3. bis 5. Februar durften wir Gastgeber eines besonderen internationalen deutsch-tschechischen Austauschprojekts sein. Im Rahmen des europäischen Förderprogramms Interreg der Europäische Union im Rahmen eines Kleinprojekts (KPF) wurde unser bewährtes Schulprojekt „Rollstuhlbasketball macht Schule – Bewegung verbindet“ erstmals international umgesetzt – ein wichtiger Meilenstein für unseren Verein und für die inklusive Bildungsarbeit, die wir seit Jahren mit großer Überzeugung verfolgen.

Insgesamt nahmen rund 60 Kinder und Jugendliche sowie Betreuerinnen und Betreuer aus Deutschland und Tschechien an dem dreitägigen Austausch teil. Ziel des Projekts war es, jungen Menschen nicht nur einen kulturellen Austausch zu ermöglichen, sondern ihnen vor allem die Bedeutung von Inklusion, Gleichstellung und Miteinander erlebbar zu vermitteln – durch Begegnung, Bewegung und gemeinsames Handeln.

Tag 1: Ankommen, Kennenlernen und erste gemeinsame Schritte

Am Dienstag, 3. Februar, reiste die tschechische Gruppe nach Bayreuth an. Nach der Unterbringung in der Jugendherberge führte der Weg direkt in die Albert-Schweitzer-Schule.
Dort trafen die tschechischen Schülerinnen und Schüler erstmals auf ihre deutsche Partnerklasse. Ein besonderer Dank gilt Michael Danner, der als verantwortliche Lehrkraft der deutschen Klasse und Vertreter der Schule diesen Austausch mit großem Engagement unterstützte und organisatorisch vieles ermöglichte.

Nach einer gemeinsamen Einführung in das Interreg-Projekt und das Thema Rollstuhlbasketball begann der eigentliche Austausch. Die erste Herausforderung ließ nicht lange auf sich warten: Der gemeinsame Unterricht fand auf englischer Sprache statt. Doch schnell wurde deutlich, dass Offenheit, Neugier und Teamgeist Sprachbarrieren in den Hintergrund rücken lassen. Durch verschiedene spielerische Aufgaben konnten sich die Kinder kennenlernen, gemeinsam lachen und erste Hemmschwellen abbauen. Was zunächst ungewohnt wirkte, entwickelte sich rasch zu einem lebendigen und sehr persönlichen Austausch. Aus zwei Gruppen entwickelte sich Schritt für Schritt ein gemeinsames Team.

Am Abend kehrten alle gemeinsam in die Jugendherberge zurück. Nach dem Abendessen sorgte ein kleines Mensch-ärgere-dich-nicht-Turnier für einen entspannten Tagesabschluss, bevor sich die deutsche Klasse verabschiedete und die tschechischen Kinder ihren ersten Tag in Deutschland ausklingen ließen.

Tag 2: Inklusion verstehen, erleben und fühlen

Der zweite Projekttag stand ganz im Zeichen der Inklusion. In einer interaktiven Theorieeinheit führte Dagmar van Hinte, Projektleiterin des Austauschs, gemeinsam mit Sebastian Gillsch in die Ziele des Projekts ein. Neben persönlichen Erfahrungen und Rollstuhlbasketball ging es um zentrale Fragen wie: Was bedeutet Inklusion eigentlich? Und wie kann Sport Barrieren abbauen?

Im Anschluss wurde das Thema praktisch erlebbar. An mehreren Stationen setzten sich die Kinder intensiv mit dem Alltag im Rollstuhl auseinander. Ein besonderes Highlight war der vom RehaTeam bereitgestellte Rollstuhlparcours mit Slalom, Hindernissen und alltagsnahen Aufgaben – vom sicheren Manövrieren bis zum Transport eines Tabletts. Alle Teilnehmenden hatten die Möglichkeit, selbst im Rollstuhl Platz zu nehmen und neue Perspektiven zu gewinnen.

Nach dem intensiven Vormittag ging es gemeinsam zu Fuß in die Bayreuther Innenstadt, bevor die Gruppe bei unserem langjährigen Partner L’Osteria zu Mittag aß. Bei Pizza und guter Stimmung konnten neue Energie getankt und Gespräche vertieft werden.

Am Nachmittag folgte der sportliche Höhepunkt des Projekts. In zwei Sporthallen wurden parallel Rollstuhlbasketball und Fußgängerbasketball angeboten. Der direkte Vergleich machte Unterschiede sichtbar, zeigte aber vor allem die vielen Gemeinsamkeiten: Teamgeist, Fairness, Dynamik und Begeisterung. Für viele Kinder war der Rollstuhlbasketball dabei besonders eindrucksvoll – intensiv, schnell und überraschend anspruchsvoll.

Der intensive Projekttag machte deutlich, welche Kraft Sport als verbindendes Element haben kann – ein Gedanke, der die Arbeit des RSV Bayreuth seit vielen Jahren prägt.

„Für uns als RSV Bayreuth ist Rollstuhlbasketball weit mehr als Sport. Er ist ein Werkzeug, um Menschen zusammenzubringen, Vorurteile abzubauen und jungen Menschen zu zeigen, dass Unterschiedlichkeit eine Stärke ist. Dieses Projekt hat eindrucksvoll gezeigt, wie verbindend Bewegung sein kann – über Sprachgrenzen, Landesgrenzen und individuelle Voraussetzungen hinweg,“ so Teammanager Sebastian Gillsch zum Projekt. 

Der ereignisreiche Tag endete wieder in der Jugendherberge mit einem gemeinsamen Abendessen, einem Filmabend sowie Brett- und Kartenspielen. Ein Raum, um zur Ruhe zu kommen, Freundschaften zu vertiefen und den Tag gemeinsam ausklingen zu lassen.

Tag 3: Rückblick, Teamarbeit und Abschied

Der letzte Projekttag, zugleich der Abreisetag der tschechischen Gruppe, begann der Morgen in der Jugendherberge mit einem Actionbound durch Bayreuth. In gemischten deutsch-tschechischen Teams lösten die Kinder Aufgaben, suchten bekannte Orte und lernten die Stadt spielerisch kennen. Nur wer zusammenarbeitete und die Aufgaben erfolgreich meisterte, fand den Weg zurück zur Schule.

Zum Abschluss fand eine gemeinsame Feedbackrunde statt. Die Kinder reflektierten ihre Erlebnisse und fassten zusammen, was sie in diesen drei Tagen gelernt hatten. Eine Aussage blieb dabei besonders hängen:
Inklusion ist mehr als Rücksicht – sie bedeutet, dass alle dazugehören, mitmachen können und gemeinsam stark sind.

Ein starkes Zeichen für Inklusion – und ein Blick nach vorn

Für uns war dieses Projekt mehr als ein Austausch. Es war ein klares Bekenntnis zu unseren Werten: Teilhabe, Respekt und Bewegung für alle. Gemeinsam mit unserem tschechischen Partner Tigers Basketball České Budějovice und mit Unterstützung der Europäische Union konnten wir zeigen, dass Inklusion keine Grenzen kennt.

Der Gegenbesuch der deutschen Gruppe ist bereits geplant: Mitte Juni reisen unsere Schülerinnen und Schüler nach České Budějovice. Die Vorfreude auf das Wiedersehen ist groß – ebenso wie die Motivation, diesen Weg weiterzugehen.

Für die Projektleitung stand dabei vor allem eines im Fokus: nachhaltige Begegnungen zu schaffen, die über den Projektrahmen hinaus wirken:
„Dieses Projekt hat gezeigt, wie schnell Inklusion Realität wird, wenn junge Menschen sich offen begegnen und gemeinsam aktiv sind. Es geht nicht darum, Unterschiede zu erklären, sondern sie im gemeinsamen Tun selbstverständlich werden zu lassen. Genau darin liegt die Kraft von Austauschprojekten wie diesem – und genau das nehmen die Kinder mit nach Hause,“ so Dagmar van Hinte. 

Ein Projekt, das verbindet und nachwirkt. 

Nicht, weil es nur Sport vermittelt, sondern weil es junge Menschen stärkt, Begegnungen ermöglicht und persönliche Entwicklung fördert.

Bewegung verbindet – über das Spielfeld hinaus.

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