Interreg Austausch Tschechien

Bewegung verbindet über Grenzen hinweg – Erfolgreicher Abschluss unseres deutsch-tschechischen Interreg-Projekts

Aus Begegnungen wurden Freundschaften. Aus Erfahrungen wurden Perspektiven. Und aus einem gemeinsamen Projekt wurde ein starkes Zeichen dafür, wie Inklusion und europäische Zusammenarbeit gelebt werden können.

Mit dem Aufenthalt in České Budějovice (Budweis) vom 16. bis 18. Juni fand der zweite und abschließende Teil unseres deutsch-tschechischen Austauschprojekts im Rahmen des europäischen Förderprogramms Interreg Bayern–Tschechien statt. Nachdem wir im Februar unsere tschechischen Gäste in Bayreuth begrüßen durften, führte uns die Reise nun zu unseren Projektpartnern von den Tigers Basketball České Budějovice.

Gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern der Albert-Schweitzer-Schule sowie unseren tschechischen Partnern haben wir mit unserem Projekt „Rollstuhlbasketball macht Schule – Bewegung verbindet“ erstmals den Schritt über die Landesgrenze gewagt. Ziel war es dabei nie ausschließlich, eine Sportart kennenzulernen. Vielmehr wollten wir jungen Menschen die Möglichkeit geben, neue Perspektiven zu gewinnen, kulturelle Unterschiede kennenzulernen, Berührungsängste abzubauen und Inklusion aktiv zu erleben.

Den Bericht zum ersten Teil des Austauschs in Bayreuth finden Sie hier.

Aus Fremden wurden Freunde

Am Dienstagmorgen machte sich die deutsche Gruppe auf den Weg nach Budweis. Nach der Ankunft und dem Check-in im Hotel ging es direkt weiter zur Partnerschule Základní škola Kubatova, wo bereits die tschechischen Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf uns warteten.

Schon die ersten Minuten machten deutlich, wie erfolgreich der erste Austausch in Bayreuth gewesen war.

Wo im Februar noch vorsichtiges Kennenlernen und erste Gespräche auf Englisch im Mittelpunkt standen, herrschte nun Wiedersehensfreude. Viele der Kinder waren seit dem ersten Treffen in Kontakt geblieben. Es wurde gelacht, erzählt und direkt dort angeknüpft, wo man sich einige Monate zuvor verabschiedet hatte.

Für das Projektteam war dies vielleicht die schönste Erkenntnis überhaupt. Das Ziel war nie nur, Wissen zu vermitteln oder ein Sportangebot durchzuführen. Es ging darum, Begegnungen zu schaffen und Verbindungen entstehen zu lassen. Genau diese Verbindungen waren nun sichtbar geworden.

Inklusion erleben statt nur darüber zu sprechen

Der Mittwoch stand ganz im Zeichen der Vertiefung der bereits gesammelten Erfahrungen. Viele Inhalte aus Bayreuth wurden erneut aufgegriffen und weiterentwickelt.

Nach einem gemeinsamen Warm-up startete das sportliche Programm, das von unseren tschechischen Partnern vorbereitet wurde. Während der Trainer der Tigers Basketball České Budějovice den Bereich Fußgängerbasketball übernahm und die Kinder mit verschiedenen Übungen und Spielformen an den Basketballsport heranführte, stand auf der anderen Seite erneut die Perspektive des Rollstuhlbasketballs im Mittelpunkt.

Gemeinsam mit unseren Projektpartnern Adam Šimonek, Ivan Nestával und Jan Herman konnten die Schülerinnen und Schüler ihre Fähigkeiten im Umgang mit dem Sportrollstuhl weiter ausbauen. Es wurde um Bälle gekämpft, in kleinen Wettbewerben gegeneinander gefahren und bei verschiedenen Challenges um jede Sekunde gerungen.

Besonders beeindruckend war dabei, wie selbstverständlich sich die Kinder mittlerweile im Rollstuhl bewegten. Was für viele im Februar noch ungewohnt war, gehörte nun fast schon selbstverständlich zum Projektalltag.

Zum Abschluss des Vormittags wurden vier gemischte Teams gebildet, die in einem kleinen Rollstuhlbasketballturnier gegeneinander antraten. Dabei standen nicht die Ergebnisse im Vordergrund, sondern Teamgeist, Kommunikation und gegenseitige Unterstützung. Dennoch entwickelten sich spannende Spiele mit großem Einsatz und viel Begeisterung.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen an der Schule wartete bereits der nächste Programmpunkt.

Budweis aus einer neuen Perspektive entdecken

Am Nachmittag erkundeten die Teilnehmenden die historische Innenstadt von České Budějovice. Begleitet von einer Stadtführerin erhielten sie spannende Einblicke in die Geschichte, Kultur und Entwicklung der südböhmischen Stadt.

Doch die Stadtführung war gleichzeitig ein weiterer wichtiger Bestandteil unseres Inklusionsprojekts.

Ausgestattet mit mehreren Alltagsrollstühlen erkundeten die Jugendlichen die Stadt aus der Perspektive von Menschen mit Behinderung. Die Gruppen wechselten sich regelmäßig ab, sodass jede und jeder die Möglichkeit hatte, selbst im Rollstuhl unterwegs zu sein.

Dabei wurde schnell deutlich, dass Barrierefreiheit auch heute noch nicht selbstverständlich ist. Kopfsteinpflaster, Bordsteinkanten und enge Wege stellten die Gruppen immer wieder vor Herausforderungen. Doch genau diese Herausforderungen machten die Erfahrung so wertvoll.

Die Schülerinnen und Schüler unterstützten sich gegenseitig, kommunizierten miteinander und suchten gemeinsam nach Lösungen. Niemand wurde zurückgelassen. Stattdessen entwickelte sich genau das, was Inklusion ausmacht: gegenseitiges Verständnis, Rücksichtnahme und Zusammenhalt.

Nach der Stadtführung blieb Zeit, die Innenstadt gemeinsam zu erkunden, Souvenirs zu kaufen oder einfach die gemeinsame Zeit mit den neu gewonnenen Freunden zu genießen.

Am Abend traf sich die Gruppe erneut an der Schule. Weitere Basketballspiele, ein Rollstuhlparcours und viele gemeinsame Gespräche sorgten für einen gelungenen Abschluss eines ereignisreichen Tages.

Reflexion, Erkenntnisse und ein Abschied auf Zeit

Am Donnerstag stand schließlich die gemeinsame Reflexion der vergangenen Monate im Mittelpunkt.

In einer Abschlussrunde blickten die Schülerinnen und Schüler auf ihre Erfahrungen zurück und setzten sich mit der Frage auseinander, warum dieses Projekt überhaupt stattgefunden hat und was sie persönlich daraus mitnehmen.

Dabei wurde deutlich, dass die vergangenen Monate weit mehr waren als ein Schulprojekt oder ein sportlicher Austausch.

Die Kinder sprachen über Freundschaften, die entstanden sind. Über Begegnungen, die ihnen neue Perspektiven eröffnet haben. Über Situationen, in denen sie gelernt haben, Verantwortung füreinander zu übernehmen. Und über Erfahrungen, die sie ohne dieses Projekt niemals gemacht hätten.

Genau darin liegt auch die Idee von Interreg.

Grenzüberschreitende Projekte sollen Menschen zusammenbringen, gegenseitiges Verständnis fördern und zeigen, dass Zusammenarbeit stärker ist als Trennung. Sie sollen Brücken bauen, wo Grenzen verlaufen. Sie sollen Begegnungen schaffen, aus denen langfristige Verbindungen entstehen.

Unsere Schülerinnen und Schüler haben diesen Gedanken eindrucksvoll mit Leben gefüllt.

Sie haben gezeigt, dass Kommunikation auch dann funktioniert, wenn nicht alle dieselbe Sprache sprechen. Sie haben gezeigt, dass Unterschiede kein Hindernis sind, sondern eine Bereicherung. Und sie haben gezeigt, dass Behinderung nicht das ist, was Menschen voneinander trennt.

Was bleibt, sind nicht die Ergebnisse eines Turniers oder die Erinnerung an einzelne Programmpunkte.

Was bleibt, sind Freundschaften.

Was bleibt, sind neue Perspektiven.

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass Offenheit, Respekt und gegenseitige Unterstützung stärker sind als Vorurteile.

Dagmar van Hinte, Projektleiterin:
„Dieses Projekt hat gezeigt, was möglich wird, wenn junge Menschen die Chance bekommen, sich offen zu begegnen. Aus zwei Schulklassen aus unterschiedlichen Ländern wurde eine Gemeinschaft. Die Kinder haben gelernt, dass Sprache, Herkunft oder Behinderung keine Grenzen sein müssen, wenn man bereit ist, aufeinander zuzugehen. Genau diese Erfahrungen prägen junge Menschen – und genau deshalb sind Projekte wie dieses so wertvoll.“

Sebastian Gillsch, Teammanager des RSV Bayreuth:
„Für uns ist dieses Projekt ein Beispiel dafür, was Sport bewirken kann. Rollstuhlbasketball war der Ausgangspunkt, doch am Ende ging es um weit mehr: um Begegnung, gegenseitigen Respekt und die Entwicklung junger Menschen. Zu sehen, wie aus einem ersten Kennenlernen echte Freundschaften entstanden sind, ist der größte Erfolg dieses Projekts.“

Mit dem Aufenthalt in Budweis findet dieses Austauschprojekt seinen Abschluss. Die entstandenen Freundschaften, Erfahrungen und Impulse werden jedoch weit darüber hinaus wirken.

Ein Projekt, das Brücken gebaut hat.
Ein Projekt, das Perspektiven verändert hat.
Ein Projekt, das gezeigt hat, dass unser Motto mehr ist als ein Satz.

Bewegung verbindet.

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